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Marziyeh Bakhshizadeh: Frauenrechte und Frauenbewegung im Iran seit der Gründung der islamischen Regierung 1979. Freitag 26.11.2010, 19 Uhr. VHS Bielefeld Raum 240

In Veranstaltung am 23. Oktober 2010 um 09:44

Zu den tragenden ideologischen Säulen der Islamischen Republik Iran gehört bis heute die Unterwerfung der Frauen unter die Ordnung der Scharia. Eine systematische Segregation der Geschlechter zielt darauf, den weiblichen Körper zu kontrollieren und im Öffentlichen unsichtbar zu machen. Zu diesem Zweck wurde nach der Revolution von 1979, in einer der ersten Maßnahmen des theokratischen Regimes, die Zwangsverschleierung angeordnet. Den Frauen wurde nicht nur die Verhüllung verordnet; das neue System formulierte auch das Familienrecht gemäß des islamischen Gesetzes, wie es die neuen Machthaber verstanden. Unmittelbar nach der Ausrufung der Islamischen Republik begannen die neuen Führer, die Rechte, die Frauen für sich errungen hatten, wieder abzuschaffen. Damals protestierten zehntausende Frauen in Teheran unter dem Slogan „Freiheit ist nicht westlich oder östlich, sondern universell“. Heute hingegen gerät die Kritik an der gottesstaatlichen Geschlechterapartheid schnell in den Ruf der „Islamophobie“.


Marziyeh Bakhshizadeh wird in ihrem Vortrag die Lage der Frauen im Iran untersuchen. Dabei soll die rechtliche Situation der Frauen im Iran seit der Islamischen Revolution dargestellt und auch auf die Reaktion der iranischen Frauenbewegung in den letzten drei Dekaden eingegangen werden. Zudem wird erklärt, wie die Frauenbewegung in diesem Zeitraum die jeweiligen aktuellen geistigen Strömungen (fundamentalistische, reformistische und säkulare) reflektiert, die auf verschiedenen Lesarten des Islam basieren.

Die Referentin ist Stipendiatin der Rosa Luxemburg Stiftung und promoviert in Sozialwissenschaft an der Ruhr Universität Bochum über „Islam und Frauenrechte im Iran seit der Revolution 1979″.

Die Veranstaltung findet statt am 26.11.2010 um 19 Uhr  in der VHS Bielefeld, Ravenberger Park1, Raum 240. Eine Wegbeschreibung finder sich unter:

http://www.vhs-bielefeld.de/

Kein Kavaliersdelikt

In Uncategorized am 27. September 2010 um 10:54

Nach unserer Veranstaltung in Bremen im Februar 2009 haben wir einige Thesen dazu, warum wir Definitionmacht für antifeministisch halten, zu Papier gebracht. Nun hat die Jungle World sie in leicht abgeänderter Form veröffentlicht: Der Text findet sich unter: http://jungle-world.com/artikel/2010/32/41534.html

Culture morte – zu einem materialistischen Begriff des Todes (VA am 27.6.2010 um 18 Uhr in der Hamburger Studienbibliothek)

In Veranstaltung am 23. Juni 2010 um 11:29

Die Tatsache des Todes ist auch für den Materialismus eine Provokation. Dass Menschen sterben müssen, mag schlagend den Vorrang der Materie über den Geist demonstrieren; aber der Triumph der Objektivität über die subjektive Hybris bringt nicht bloß den Idealismus zum Schweigen, sondern das Denken überhaupt. Gerade dem Materialismus, der es mit dem quälbaren Leib hält, muss der Tod unbegreiflich erscheinen; ein Skandalon, das es nicht zu verstehen gilt, sondern dem, mit den Worten Adornos, die Utopie von dessen Abschaffbarkeit entgegenzuhalten wäre.
Diese Utopie verwirklicht – auf seine eigene, ganz verkehrte Art – das Kapital. »Es hat einmal eine Geschichte gegeben«, beschrieb Marx das Verhältnis des Bürgers zur Vergänglichkeit, »aber es gibt keine mehr«. Die Welt des sich endlos verwertenden Werts, des G-W-G’, kennt bloß noch reine, endlose Gegenwart. Mögen die Akzidenzien, die menschlichen Anhängsel der Produktion, auch vergehen, das Wesentliche, das kapitale Unwesen, bleibt mit sich identisch (und das Erbrecht sorgt für die Übersetzung dieses Phantasmas auf die Ebene des Subjekts). Die Verewigung hat freilich ihren Preis; denn was nicht sterben kann,dichtet sich ab gegen das, was anders wäre, das Leben selber. So ist das Reich, das die tote Arbeit beherrscht, eines der lebenden Leichen: Selbsterhaltung als Mortifikation, so schicksalshaft, wie es der Tod seit jeher war.

Sterben verführt daher, als Urbild der Schwäche des Geistes, stets noch zur Ideologisierung des Übermächtigen. »Viva la muerte«, proklamierten die spanischen Falangisten, und heute heißt es von den Islamisten: »Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod«. In den Symbolen und Riten der Faschisten kulminiert das doppeldeutige Verhältnis der Bürger zum Tod: Was sie als ultimative Kontinengenz, unbeherrschbare Natur fürchten, verklären sie zugleich als Widerpart des amorphen Gewusels des Daseins, als Ende aller Widersprüche. Im Namen, den die Nationalsozialisten ihrem Staat gaben, »Tausendjähriges Reich«, spiegelt sich beides wieder: das Phantasma der Ewigkeit und die Versteinerung des Lebens selbers.

Den Preis für dieses doppeldeutige Verhältnis haben seit jeher die Frauen zu tragen gehabt. Seit der Antike wird ihnen, im Einklang mit ihrer Rolle als Lebensspenderin, zugleich Komplizenschaft mit dem Tod zugeschrieben. Als politisch-ökonomisch nicht vollends Vergesellschaftete, erscheint die Frau auch in bürgerlichen Zeiten als nicht ganz von dieser Welt, als eine, die vor den Fährnissen des Lebens geschützt werden muss – und letztlich vor diesem selber. Wie im Märchen vom Schneewittchen, entfaltet sich ihre Schönheit erst ganz im Tode, fetischisiert zum »sex-appeal des Anorganischen«(Benjamin). Dem patriarchalen Imago der Weiblichkeit als reine Erscheinung ohne Substanz, als gespenstische Verschleierung des Mangels, erscheint die schöne Leiche als der schöne Schein ohne schreckliches Geheimnis, als entschleierte Wesenslosigkeit – kurz: als Inbegriff *mörderischer* Vergeistigung. Im Verkehr mit Frauen können Männer daher das Sterben üben, den »petit mort« erleben, den Untergang im (anderen) Geschlecht – und dabei das tödliche Risiko von sich auf die andere abwälzen.

Über diese und weitere Fragen werden wir am Sonntag, den 27. Juni diskutieren, um 18 Uhr in der Hamburger Studienbibliothek (Hospitalstr.85).

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