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„Sex is dumb, boring hippie stuff“

In Artikel on 1. Januar 1998 at 19:59

Über das strukturell sexbesessene bürgerliche Subjekt – ein Parforceritt

Auf die Avance eines Groupies soll, will man dem Film „Sid and Nancy“ Glauben schenken, Johnny Rotten, Sänger der Sex Pistols, bloß „Sex is dumb, boring hippie stuff“ geantwortet und sich weggedreht haben. Falls dies stimmt, traf er damit eine der radikalsten Aussagen über Sexualität, die sich denken lässt. Denn allen, die sich ins Gerede über Sex einbringen, ob Homo- oder Heterosexuelle, SexualrevolutionärInnen und katholische Enthaltsamkeitspropagandisten, Rockstars, BRAVO-AutorInnen, Therapeuten und FrauenLesben, ist gemein, dass sie, egal wie sie ihre Stellung zum sexuellen Begehren definieren, dieses eines sicher nicht finden: belanglos und langweilig. Im Gegenteil: Die Sexualität erscheint in der bürgerlichen Gesellschaft mit all ihren getrennten Sphären als diejenige, in der die Individuen ihre echtesten Gefühle, ihre nachhaltigsten Siege und Niederlagen, kurz, ihren wesentlichen Sinn erfahren. Als schicksalshafte Bestimmung trägt die Gesellschaft den Einzelnen tagtäglich die Suche nach der sexuellen Identität auf. Es winkt nicht weniger als die Belohnung, den ureigenen Wesenskern hier zu finden und befreit – allen Erfahrungen, „ein geknechtetes und verächtliches Wesen“ (Marx) zu sein, zum Trotze – aufzuatmen: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. Dass diese Hoffnung sich kaum je erfüllt, gehört recht gerade zum Reiz dazu. Den Rest des Beitrags lesen »