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Kein Kavaliersdelikt. Eine feministische Kritik der ‚Definitionsmacht‘. Samstag 2.11.13 19:30 Uhr im Laidak Berlin

In Veranstaltung on 2. November 2013 at 01:28

 Das Konzept der Definitionsmacht wurde entwickelt um eine zusätzliche
Belastung nach sexuellen Gewalterfahrungen durch die bürgerliche
Rechtssprechung zu verhindern. Es galt als Reaktion darauf, dass in
Gerichtsverhandlungen Übergriffe als Kavaliersdelikte heruntergespielt
wurden, Verteidiger versuchten eine Mitschuld nachzuweisen oder Anklagen
wegen Verjährungsfristen und mangelnder Beweislage fallen gelassen
wurden. Entgegengesetzt wurde ein Ansatz, der stolz von sich behauptet,
das subjektive Empfinden des Opfers zum Ausgangspunkt zu machen und die
Unschuldsvermutung gegenüber Tätern außer Kraft zu setzen. Mittlerweile
wird Definitionsmacht häufig als einzige Alternative dargestellt, mit
Sexismus, Übergriffen und Gewalt in der Linken umzugehen. Beim näheren  Hinsehen aber entpuppt sich
dieses Konzept als anti-emanzipatorisch: Es trägt zur Relativierung von
Vergewaltigungen bei und eignet sich weder zum Umgang mit sexueller
Gewalt noch zu einer Kritik des Geschlechterverhältnisses, sondern es
zementiert patriarchale Klischees, verewigt die Geschlechterordnung,
ermöglicht eine einfache Einübung in autoritäres Denken und lässt
diejenigen, die sexuelle Gewalt erlitten haben, im Stich.
Thema der Veranstaltung wird auch sein, welche Entwicklung das nun schon
ältere Dogma der Definitionsmacht genommen hat. Es ist eine sich
verstärkende Tendenz zur Selbstabdichtung zu beobachten – ging es vor
einigen Jahren auch und vorrangig darum, gegen Täter und sog.
Täterschützer vorzugehen, wird zunehmend versichert, es ginge gerade
nicht darum, diese zu kompromttieren. Weniger denn je geht es um einen
Schutz der Opfer, als um den Schutz von Awarenessgroups,
Unterstützerkreisen und Täterumgangsgruppen selbst vor den verstörenden
Erfahrungen, den die ausgemachten Täter und Opfer verkörpern. Jeder
politische Anspruch, diejenigen zu unterstützen, die von sexueller
Gewalt betroffen sind, geht dabei flöten. In der Erklärung, man sei
solidarisch mit dem Konzept, wird die eigene Identität genossen.

Veranstaltungsort: Schankwirtschaft Laidak   Boddinstraße 42   12053 Berlin

Tod, Geschlecht, Kapital. Seminar von Junge Linge RLP mit Les Madeleines.

In Uncategorized on 8. September 2013 at 18:14

Endlich! Unser Seminar zum Thema “Tod Geschlecht, Kapital” hat vom 23.-25.8. 2013 stattgefunden. Wir danken Junge Linke Rheinland-Pfalz für die Organisation und die wunderbare  Verpflegung!

Über den Tod kann man eigentlich nicht mehr sagen, als Woody Allen es bereits getan hat: »Ich lehne ihn strikt ab.« Etwas philosophischer steht es bei Adorno: Keine Utopie ohne die der Abschaffung des Todes. Denn der Tod, das stumpfeste und geistloseste, was sich denken lässt, ist Siegel all dessen, was falsch ist: vollendete Absage an Freiheit und Glück, der irreversible Triumph des blinden Ganzen über das zerbrechliche und verletzliche Einzelne. Sterben, als das Urbild menschlicher Schwäche, verführt seit jeher zur Verklärung des Übermächtigen. Dieser Zusammenhang von Tod und Herrschaft soll auf unserem Seminar in verschiedenen Facetten untersucht werden.Die Verwaltbarkeit des TodesSeit der medizinische Fortschritt die Grenze zwischen Leben und Tod immer prekärer werden lässt, sind die Experten gefragt. Mediziner und Bioethiker tüfteln an Definitionen, ab wann ein Mensch als tot zu gelten hat (und ihm also Organe entnommen werden können), und die Bürger sind aufgefordert, mit Organspendeausweis und Patientenverfügungen den reibungslosen Ablauf des Sterbens sicherzustellen. Wir wollen einen Überblick über die entsprechenden Entwicklungen geben und fragen, was die bürokratische Integration des Sterbens für das Selbstbild des bürgerlichen Subjekts bedeutet.

Kapitale Todeskulte

Die Bürger verbannen den Tod am liebsten aus ihrem Blickfeld – und doch sorgt er auch zugleich für eine heimlich-unheimliche Faszination. Deren Endpunkt bildet der faschistische und islamistische Todeskitsch: »Viva la muerte«, skandierten die spanischen Falangisten, und die Djihadisten sekundieren: »Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod«. Diese mörderische Angstlust gilt es ideologiekritisch zu dechiffrieren – und dabei zu fragen, was sie übers Kapitalverhältnis selbst, die endlose Akkumulation toter Arbeit, verrät.

Verklärung des Todes und untotes Leben

Bilder vom Tod einerseits, von Unsterblichkeit andererseits gehören, seit es Kulturindustrie gibt, sowohl als Wunsch- wie als Schreckensbilder zu deren liebsten Sujets. Anhand eines ihrer erfolgreichsten Produkte, der Harry-Potter-Reihe, wollen wir modellhaft den jüngsten Variationen dieser Bildproduktion nachgehen und fragen, was es mit einem Bewusstsein auf sich hat, das ewiges Leben nur als endlosen Schrecken zu denken vermag.

Death and the Maiden

Den Preis für das doppeldeutige Verhältnis zum Tode haben unter patriarchalen Verhältnissen stets die Frauen zu tragen. Seit der Antike wird ihnen, analog zur Rolle als Lebensspenderin, auch die größere Nähe zum Totenreich zugeschrieben. Zu diskutieren wäre, inwiefern auch in der spätbürgerlichen Gesellschaft, welche formale Gleichberechtigung mit dem weiterhin fortwesenden Geschlechterverhältnis koexistiern lässt, sich das Bild der Frau, die politisch-ökonomisch nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint, erhält.

Tod und Utopie

Wenn Adorno von der Hoffnung auf die Abschaffung des Todes spricht, so warnt er zugleich, dem Gedanke daran müsse selbst die Schwere des Todes innewohnen. Denn unter herrschenden Bedingungen droht der utopische Wunsch stets in die Horrorvision sturer Selbsterhaltung umzuschlagen, ins Bild von Subjekten, deren hermetische Abdichtung gegen alles Fremde, Andere selbst Gevatter Hein keine Chance lässt. Abschließend wollen wir uns daher der Frage widmen, was Widerstand gegen die Vorherrschaft des Todes mehr und anderes heißen kann als Überleben um jeden Preis – und auch, ob für die befreite Menschheit selbst die Sterblichkeit ihren Schrecken zu verlieren vermöchte.

http://jd-jl-rlp.de/event/tod-geschlecht-kapital-seminar-mit-der-gruppe-les-madeleines/

»Solidarität mit dem Konzept!« Warum die Beschäftigung mit der Definitionsmacht sinnlos geworden ist

In Uncategorized on 8. September 2013 at 17:12

Dieser Artikel ist in der ZAG 64 (http://www.zag-berlin.de/antirassismus/archiv/inhalt64.html) erschienen.
Thema des Textes ist, dass kritische Auseinandersetzungen über Definitionsmacht deshalb keinen Sinn mehr haben, weil die VerfechterInnen dieses Konzeptes nur noch den Genuss der eigenen Identität aufrecht erhalten wollen und jeder politische Anspruch, diejenigen zu unterstützen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, dabei flöten geht. In diesem Zusammenhang gehen wir auch kurz auf unsere Erfahrungen bei der Veranstaltung „Kein Kavaliersdelikt – eine feministische Kritik der ‚Definitionsmacht'“ am 23.5.2013 in Hannover ein, zu der uns das Autonome Feministische Kollektiv (AFK) eingeladen hatte.